Entwicklung und Erpro- bung einer Video-Thera- pie bei Fazialisparese


ViThraFace entwickelt eine digitale Therapie für Menschen mit chronischer Fazialisparese und schafft damit einen neuen Zugang zu spezialisierter Behandlung. Die Therapie wird direkt im häuslichen Umfeld durchgeführt und verbindet therapeutische Begleitung mit EMG-gestütztem Training. Damit soll eine Versorgung ermöglicht werden, die unabhängig vom Wohnort genutzt werden kann. Insbesondere für Menschen in ländlichen Regionen können dadurch Wege zu spezialisierten Versorgungsangeboten reduziert werden. Gleichzeitig untersucht das Projekt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit sich digitale Rehabilitationsangebote auch auf weitere Anwendungsbereiche übertragen lassen.
Worum geht es konkret?
Eine Fazialisparese kann langfristig zu unkontrollierten Bewegungen der Gesichtsmuskulatur, sogenannten Synkinesien, führen. Für die Behandlung stehen spezialisierte Therapieangebote zur Verfügung, die bislang überwiegend an entsprechende Zentren gebunden sind. Das Fazialis-Nerv-Zentrum des Universitätsklinikums Jena hat hierfür bereits eine EMG-gestützte Bewegungstherapie entwickelt. ViThraFace überführt diesen Ansatz nun in eine teletherapeutische Anwendung für zu Hause.
Dazu entsteht ein tragbarer EMG Prototyp, der mit einem strukturierten Trainingsprogramm verbunden wird. Die PatientInnen erhalten unter anderem Anleitung zu Entspannungsübungen, Dehnungen und neuromuskulärem Training. Regelmäßige Online Termine mit TherapeutInnen werden durch eigenständige Übungen zwischen den Sitzungen ergänzt. So soll die Therapie stärker in den Alltag integriert und die notwendige Trainingshäufigkeit besser unterstützt werden.
Wie funktioniert die Lösung?
Das EMG System erfasst die Aktivität verschiedener Gesichtsmuskeln und stellt diese als Biofeedback zur Verfügung. PatientInnen können dadurch während der Übungen unmittelbar erkennen, wie ihre Muskulatur reagiert. Die Übungen werden digital angeleitet und können an die jeweilige Situation angepasst werden. Die Anwendung soll sowohl während einer Online Therapiesitzung mit TherapeutInnen als auch beim selbstständigen Training funktionieren.
Eine digitale Plattform unterstützt zusätzlich die Betreuung. TherapeutInnen können Trainingsverläufe nachvollziehen und den Therapiefortschritt dokumentieren. Ergänzend wird untersucht, ob KI künftig bei der Auswertung von Videoaufnahmen der Gesichtsmimik unterstützen kann. Auch spielerische Elemente wie Belohnungssysteme oder ein virtueller Companion werden erprobt, um PatientInnen beim regelmäßigen Training zu unterstützen.
Was bringt das für die Versorgung?
Spezialisierte Therapieangebote für Menschen mit Fazialisparese sind nicht überall verfügbar. Für Betroffene können deshalb lange Anfahrtswege und Wartezeiten entstehen. ViThraFace verlagert einen Teil der Behandlung aus dem spezialisierten Zentrum in das häusliche Umfeld. Online Therapiesitzungen ermöglichen dabei weiterhin den direkten Kontakt zu TherapeutInnen, während die PatientInnen zwischen den Terminen selbstständig trainieren können.
Dabei wird nicht allein die technische Umsetzung betrachtet. Das Projekt untersucht auch, wie PatientInnen die digitale Therapie annehmen, welche technischen Voraussetzungen notwendig sind und wie sich das Training dauerhaft in den Alltag integrieren lässt. Ebenso werden Fragen des Datenschutzes und der sicheren Verarbeitung sensibler Gesundheitsdaten berücksichtigt.
Wer arbeitet mit?
Im Projekt arbeiten Partner aus medizinischer Versorgung, Forschung, Medizintechnik und Rehabilitation zusammen. Das Fazialis-Nerv-Zentrum des Universitätsklinikums Jena bringt seine spezialisierte Expertise in der Behandlung von Fazialisparesen ein. Die Ernst-Abbe-Hochschule Jena übernimmt wesentliche Aufgaben bei der Entwicklung und wissenschaftlichen Untersuchung der Intervention. Die Moritz Klinik Bad Klosterlausnitz beteiligt sich an der therapeutischen Erprobung. Die neuroConn GmbH entwickelt die technische
Grundlage für das EMG gestützte Training und die digitale Unterstützung der Therapie.
Wo wird erprobt?
Die entwickelte Therapie wird im Rahmen einer randomisierten Pilotstudie mit Menschen mit chronischer Fazialisparese untersucht. Die PatientInnen werden über das Fazialis-Nerv-Zentrum des Universitätsklinikums Jena gewonnen und zufällig einer ViThraFace Intervention oder einer Kontrollintervention zugeteilt. Über einen Zeitraum von sechs Monaten finden zweimal monatlich 45 minütige Online Therapiesitzungen statt. Zusätzlich trainieren die Teilnehmenden eigenständig zu Hause.
Die beteiligten Partner sind im Ilm-Kreis und im Saale-Holzland-Kreis verankert. Damit wird die Entwicklung direkt in der wecare Förderregion erprobt. Gleichzeitig sollen die Erfahrungen aus der Entwicklung und Erprobung genutzt werden, um digitale Therapieangebote auch für weitere Erkrankungen und Zielgruppen nutzbar zu machen. Genannt werden beispielsweise Bruxismus, Spannungskopfschmerzen und Nackenschmerzen.
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