Ein Blogbeitrag von Luca Schmidt

Was ist Telemedizin?

Der Begriff „Telemedizin“ lässt sich vom lateinischen Wort „medicus“ und dem griechischen „tele“ herleiten und bedeutet so viel wie „Heilung auf Distanz“. Obwohl es keine exakte Definition gibt, steht der Einsatz von Technologien für die Übermittlung von Gesundheitsdienstleistungen und       -informationen auf Entfernung im Vordergrund. Diese soll den Zugang für diese Dienstleistung erleichtern und die Versorgungsqualität für PatientInnen verbessern [1].

Die Arbeitsgruppe Telemedizin der Bundesärztekammer definiert Telemedizin als „Sammelbegriff für verschiedenartige ärztliche Versorgungskonzepte, die […] medizinische Leistungen der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung in den Bereichen Diagnostik, Therapie und Rehabilitation sowie bei der ärztlichen Entscheidungsberatung über räumliche Entfernungen (oder zeitlichen Versatz) hinweg [erbringen]. Hierbei werden Informations- und Kommunikationstechnologien eingesetzt“ [2].

Welche Herausforderung adressiert Telemedizin im Gesundheitswesen?

Der Einsatz von telemedizinischen Anwendungen zielt auf eine Versorgung ab, die ortsunabhängig angeboten werden kann und dadurch immer stärker von Interesse ist: Denn durch den demografischen Wandel zeigte sich innerhalb von Jahrzehnten ein Bevölkerungsrückgang, Zu- und Abwanderung von ländlichen zu städtischen Regionen sowie eine älter werdende Gesellschaft. Insbesondere der Trend zur Überalterung führt dazu, dass immer mehr Menschen von Mobilitäts- und Gesundheitseinschränkungen betroffen und auf eine umfassende gesundheitliche Versorgung angewiesen sind (siehe Blogbeitrag: Demographischer Wandel und Versorgungsmodelle in Thüringen). Hier könnte die Telemedizin ansetzen, indem PatientInnen Anwendungen sowohl zuhause als auch in wohnungsnahen Gesundheitszentren wahrnehmen können.

Was kann die Telemedizin verbessern?

Den Mehrwert von telemedizinischen Anwendungen sieht die Bundesärztekammer in vielen Bereichen für die PatientInnen aber auch ÄrztInnen, indem sie als unterstützender Anteil ärztlichen Handelns eingesetzt werden können. Dabei soll ärztliches Handeln nicht ersetzt werden. Vielmehr soll der Kontakt von ÄrztIn-zu-ÄrztIn oder ÄrztIn-zu-PatientIn intensiviert werden, um zusätzlich zum klassischen Kontakt von ÄrztInnen untereinander oder mit PatientInnen zu handeln. Es wird zudem betont, dass die Telemedizin eine wichtige Zukunftsaufgabe für die ÄrztInnenschaft ist, um die dynamische Entwicklung im Bereich der Telemedizin zugunsten der PatientInnen aktiv mitzugestalten [3].

Daten- und Studienlage zum Einsatz telemedizinischer Anwendungen

Hierfür gab es bereits mehrere Pilotstudien, die Telemedizinprojekte in Deutschland erprobten. In einer Arbeit wurden insgesamt 16 Veröffentlichungen zu telemedizinischen Projekten untersucht, die sich mit der Versorgung ländlicher Regionen in Deutschland befassen. Dabei wurde auf Kriterien geachtet, die sich auf die (praktische) Umsetzung dieser Projekte beziehen. Die eingeschlossenen Studien berichteten entweder von der Beschreibung einer neuartigen Intervention oder der Verbesserung der Versorgungsform. Zudem wurde in manchen Studien die Verlässlichkeit der Technologien, eine messbare klinische Effektivität oder die Akzeptanz der PatientInnen untersucht. Laut den AutorInnen der Übersichtsarbeit wurden in diesen Studien eine wesentliche Betrachtung bezüglich der Realisierung dieser Projekte ausgelassen. Auf Grundlage ihrer Ergebnisse schlussfolgern sie, dass die Veröffentlichungen zu telemedizinischen Lösungen für die Versorgung ländlicher Regionen Deutschlands noch oft eine unstrukturierte Vorgehensweise und mangelhafte Bewertung der Projekte zeigen. Sie fordern, dass die Übertragbarkeit der aus den Studien gewonnen Erkenntnisse in die Praxis bereits zu Beginn bedacht werden sollten. Diese Übertragbarkeit sollte durch Forschung und Entwicklung erprobt und abschließend für weiterführende Forschung gestaltet werden [4].

Die klinische Effektivität konnte dennoch in verschiedenen Studien gezeigt werden. Eine weitere Übersichtsarbeit untersuchte in 31 Studien wie telemedizinische Anwendungen die Versorgung von Diabetes-Typ-1 und Typ-2 PatientInnen verbessern kann. Im zusammengefassten Datensatz ergab sich für beide Gruppen ein bedeutsam reduzierter Blutzuckerspiegel und damit ein verbesserte Krankheitskontrolle sowie ein reduziertes Risiko für dessen Folgeerkrankungen [5].

Eine 2021 veröffentlichte Studie in Deutschland untersuchte den Effekt der Implementierung medizinischer Videokonsultationen in der stationären Pflege. Insgesamt nahmen 13 Teilnehmende an der Studie teil, die sich in Interviews zur derzeitigen Versorgung von PflegeheimbewohnerInnen äußern konnten. Dabei wurde unter anderen nach auftretenden Schwierigkeiten im Pflegealltag gefragt und wie Videosprechstunden genutzt werden könnten, diese zu reduzieren. Nach der Erprobung der Videokonsultation wurden die Teilnehmenden erneut danach gefragt, wie sich die telemedizinischen Anwendungen auf den Versorgungsalltag auswirkt. Nach anfänglichen Bedenken durch zusätzlichen organisatorischen und administrativen Aufwand, möglichen Unterbrechungen sowie Verzögerung in der Behandlung, äußerten sich die Teilnehmenden schließlich positiv. Sie berichteten davon, dass die Kommunikation erleichtert, der Informationsverlust verringert, Mehrarbeit eingespart sowie Medikamente und Geräte schneller bereitgestellt wurden. Die AutorInnen schlussfolgern aufgrund ihrer Ergebnisse, dass der zielgerichtete Einsatz von Telemedizin die Pflegeversorgung unterstützen kann. Dabei könnten Videosprechstunden den persönlichen Besuch in Pflegeheimen ergänzen, um insbesondere dem Fachkräftemangel in ländlichen Gebieten entgegenzuwirken [6].

Verbindung zwischen WeCaRe und Telemedizin

Das WeCaRe-Bündnis hat sich zum Ziel gesetzt, durch telemedizinische Innovationen eine ganzheitliche Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum voranzutreiben. Die WeCaRe-Agentur als Geschäftsstelle des Bündnisses verknüpft dabei PartnerInnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Damit sollen Unternehmen und Institutionen vernetzt werden, die für ihr Fachgebiet die größte Expertise mitbringen und eine flächendeckende sowie innovative Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum anstreben. Dafür werden zunächst fünf Basisprojekte gefördert, die durch verschiedene Ansätze (1) eine Stärkung der digitalen Gesundheitskompetenz anstreben, (2) eine örtlich unabhängige Diagnostik von Vitalparametern (z.B. Herzrate, Körpertemperatur) ermöglichen sowie die Versorgung von PatientInnen mit (3) Demenz, (4) akutem Herzinfarkt oder (5) lebensbedrohlichen Infektionen verbessern möchten.

 


 

Literaturverzeichnis

  1. Kvedar, J., M.J. Coye, and W. Everett, Connected health: a review of technologies and strategies to improve patient care with telemedicine and telehealth. Health Aff (Millwood), 2014. 33(2): p. 194-9.
  2. Bundesärztekammer: Telemedizinische Methoden in der Patientenversorgung – Begriffliche Verortung.
  3. Bundesärztekammer, 113. Deutscher Ärztetag: Tätigkeitsbericht der Bundesärztekammer, Voraussetzungen für gute Telemedizin.
  4. Allner, R., et al., Telemedizinprojekte im ländlichen Raum Deutschlands. Eine systematische Bewertung mit dem „Modell zur Evaluation von telemedizinischen Anwendungen“. Zeitschrift für Evidenz, Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen, 2019. 141-142: p. 89-95.
  5. Eberle, C. and S. Stichling, Clinical Improvements by Telemedicine Interventions Managing Type 1 and Type 2 Diabetes: Systematic Meta-review. J Med Internet Res, 2021. 23(2): p. e23244.
  6. May, S., et al., Challenges in current nursing home care in rural Germany and how they can be reduced by telehealth – an exploratory qualitative pre-post study. BMC Health Serv Res, 2021. 21(1): p. 925.